Charlotte

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen.

David Foenkinoes wählt eine besondere Form für seinen Roman.

Er schreibt in jede Zeile genau einen Satz!

Die ohnehin intensive Atmosphäre wird dadurch noch weiter verstärkt.

Und doch entsteht eine gewisse Leichtigkeit, die einen durch den Text begleitet.

„Das ist mein ganzes Leben“ – mit diesen Worten übergibt Charlotte einem Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder.
1943 wird Charlotte Salomon – im fünften Monat schwanger – in Auschwitz vergast.

Gefühlsmäßig habe ich dieses Buch nicht gelesen – ich habe es gelebt. So nah dran fühlte ich mich an den Personen und den Geschehnissen. Dem Autor gelingt es in feinster Weise durch Form und Sprache, Stimmungen zu erzeugen und Bilder zu malen. Oftmals ist die Stimmung sehr bedrückend. Viele Familienmitglieder der Salomons haben Selbstmord begangen, darunter auch Charlottes Schwester und ihre Mutter. Stets kann man die Angst mit Händen greifen, die alle haben, weil niemand weiß wer noch diesen Weg wählen wird. Charlotte wird 1917 in Berlin geboren. Sie wächst in einem bürgerlichen Umfeld auf und Musik, Kunst und Literatur sind Thema . Nach dem Tod ihrer Mutter heiratet der Vater die bekannte Sängerin Paula Lindberg. Charlotte beginnt zu malen und wird 1936 an der Kunsthochschule angenommen, obwohl dies für Juden eigentlich schon nicht mehr möglich war. Es kommt zu Schikanen und sie verlässt die Hochschule bereit 1937 wieder. 1939 emigriert sie nach Frankreich und lebt bei ihren Großeltern. Die Großmutter nimmt sich 1940 das Leben. Um die Ereignisse zu verarbeiten, beginnt sie auf Anraten eines Arztes wieder zu malen. In dieser Zeit entstehen die Bilder, die sie später als „ihr ganzes Leben“ bezeichnen wird. Sie wird 1943 in Auschwitz ermordet.

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